5. Januar 2015

Kontrolliert außer Kontrolle - Das Tagebuch einer Magersüchtigen


Randinformationen:
Autorin: Hanna-Charlotte Blumroth vom Lehn
Seiten: 343 
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
Erschienen: 02.11.2012
ISBN: 9783862651993 
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 Inhalt:                                                                                                                         

© Schwarzkopf & Schwarzkopf
'"Heute ist es so weit. Laut Plan muss ich zwei Brötchen essen, mit 20 Gramm Butter und ausreichend Belag. Das ist so unglaublich schwer: Mein Kopf rattert und die Hand nach den Butterpäckchen auszustrecken ist, als müsste ich einen Fallschirmsprung wagen."

Mit 16 Jahren beginnt Hanna-Charlotte, ihr Essverhalten strengstens zu kontrollieren und immer mehr abzunehmen. Obgleich sie lange Zeit abstreitet, magersüchtig zu sein, muss sie eines Tages einsehen, dass sie so nicht weitermachen kann. Ihr Zustand ist lebensbedrohlich, als sie in eine Klinik eingewiesen wird. Dort beginnt sie die Arbeit an diesem Buch, in dem sie ihre Krankheit beschreibt und nach den Gründen für ihre Essstörung sucht. Ihre Tagebuchaufzeichnungen zeigen auf sehr eindringliche Weise, wie sie sich immer wieder in den gefährlichen Zwangsgedanken der Magersucht verliert, aber auch versucht, gegen ihre Krankheit anzukämpfen und ihre Lebensfreude wiederzugewinnen.'

Wir begleiten Hanna im Zeitraum von Ostern 2008 bis September 2012 auf ihrem Weg hinein in die Krankheit und bei dem Versuch wieder heraus zu kommen. Das Buch basiert auf ihren Tagebucheinträgen, die uns ihre Gefühle und Gedanken preisgeben. Wir lernen ihre gesunde und ihre kranke Stimme kennen und verfolgen die Konsequenzen, die die Krankheit mit sich bringt. 

 Meine Meinung                                                                                                            

Ich möchte dieses Buch nicht auf die normale Weise rezensieren und auflisten, was mir gefallen hat, und was nicht. Es handelt sich hierbei um eine Geschichte aus dem echten Leben und da kann man einfach nicht sagen, ob es schlecht oder gut ist! Es geht auch nicht darum, dass Hanna-Charlotte ihre Leser unterhalten möchte. Vielmehr möchte sie auf die Krankheit aufmerksam machen. Wir sollen einen Einblick in dieses Krankheitsbild bekommen und somit vielleicht ein bisschen besser "verstehen" was es damit auf sich hat.
Ich habe zu dem Buch gegriffen, weil mich die Thematik interessiert hat. Ich finde es so unbegreiflich was im Kopf von einer an Magersucht erkrankten Person vorgeht. Vor allem aber war ich neugierig. Man hört so oft von Menschen, die darunter leiden, und kann es sich doch kaum vorstellen, wie es sein muss. 
Am meisten erschreckt hat mich die Tatsache, dass man nicht einfach nur mager ist und gesundheitliche Probleme hat. Nein, das ganze zieht viel weitreichendere Kreise. Die Magersucht beeinflusst den Charakter, das Gemüt, die Beziehungen - kurz gesagt: ALLES. Hannas Leben dreht sich ausschließlich um ihre Krankheit, die sie teilweise als solche erkennt, aber sich dank ihr auch besonders fühlt. Sie hat kaum noch einen anderen Gedanken als Essen. Sie will sich kontrollieren und verliert dabei aber - wie der Titel schon verrät -  vollkommen die Kontrolle und das Ganze artet so sehr aus, dass sie sich auf ein Gewicht von 29kg runtermagert. Und das Schlimme dabei ist, dass sie es selber nicht sieht. Wie bei allen Betroffenen ist ihre Selbstwahrnehmung enorm verzerrt oder besser gesagt gestört. Doch nicht nur Hannas Leben dreht sich um die Magersucht, auch ihre Familie reißt sie mit in den Abgrund. Freunde und Familie müssen mit ansehen, wie Hanna verhungert und können nichts sagen oder tun, dass den Schalter in ihrem Kopf umlegt.
Damit als Leser konfrontiert zu werden ist keine leichte Kost und so konnte ich das Buch auch nicht ohne Pausen in einem Rutsch durch lesen. Es war so erdrückend. Verstehen wird man diese Krankheit wohl nie, aber es wird nicht meine letzte Lektüre dazu gewesen sein.

Schaut man sich zu diesem Thema auch mal genauere Zahlen an, dann ist es wirklich noch erschreckender! Im Jahr 2012 diagnostizierte man in Deutschland 6.995 Anorexie-Fälle mit 70 Todesfällen - Tendenz steigend*. Wer weiß wie hoch die Dunkelziffer ist. Aber warum ist die Zahl so hoch? Wie bei jeder psychischen Krankheit gibt es auch hier zahlreiche Ursachen, aber sind wir doch mal ehrlich zu uns: ein großer Einflussfaktor ist der gesellschaftliche Druck, der uns auferlegt wird. Seht euch nur mal die Cover von Modezeitschriften an. Wie soll man denn da, gerade als Frau, ein vernünftiges Gefühl für seinen Körper entwickeln, wenn einem ständig ein Schönheitsideal auf die Nase gebunden wird, das ziemlich unrealistisch ist? Natürlich sollte man auf seinen Körper achten, Sport treiben und sich gesund ernähren, aber vor allem sollte es erlaubt sein, sich in seinem Körper wohl zu fühlen - egal ob man dem "Ideal" entspricht oder nicht, denn wirklich schön sind die Menschen, die sich in ihrer Haut wohlfühlen!


Weitere Bücher zur Thematik:









*Quellen:
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/28905/umfrage/todesfaelle-durch-essstoerungen/
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/28909/umfrage/in-krankenhaeusern-diagnostizierte-faelle-von-anorexie-und-bulimie/

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