12. Juli 2017

A.K. Benedict - Die Seelen von London

9783426520550
© Knaur
Über das Buch
Autorin: A.K. Benedict
Originaltitel: Jonathan Dark or The Evidence of Ghosts 
Seiten: 400
Verlag: Knaur 
Erschienen: 01. Juni 2017
Preis: 14,99€ (Klappbroschur), 9,99€ (eBook)
ISBN: 978-3-426-52055-0
Zum Buch

*Rezensionsexemplar*

    Inhalt    
"Die Toten sind näher, als du denkst.. Maria King kennt die verborgenen Seiten ihrer Stadt. Blind geboren, findet die Londonerin sich jenseits des Sichtbaren bestens zurecht. Doch nun schwebt sie in ernster Gefahr. Sie ist ins Visier eines Stalkers geraten. Detective Jonathan Dark nimmt die Jagd auf und entdeckt eine Welt, die er bisher nicht kannte. Eine Welt, wo Lebendige Tote sich treffen und wo all die Antworten liegen - wenn man das leise Flüstern in den Straßen zu deuten vermag." 



In "Die Seelen von London" entdecken wir die Stadt London aus zwei verschiedenen Blickwinkeln und versuchen den Geschehnissen auf den Grund zu gehen. Zum einen lernen wir, die Dinge mit den Augen einer Blinden zu sehen. Zum anderen befinden wir uns in einer anderen Sphäre, wo der Schleier zu den Toten sich öffnet. Klingt also nach einer Verbindung von zwei Welten, die nicht unterschiedlicher sein könnten und doch irgendwie zusammenfinden. Und dazwischen gilt es, Marias Leben zu retten. 
Leider ist diese Bindung der Autorin wirklich nicht gelungen. In den ersten beiden Dritteln der Geschichte laufen beide Handlungsstränge einfach parallel und vollkommen unabhängig von einander nebenher. Ohne einen direkten Berührungspunkt. Der Zusammenstoß der Welten geschieht für meinen Geschmack viel zu spät. Bis dahin versucht Detective Jonathan Dark den Stalker von Maria ausfindig zu machen. Wobei er jedoch in seinen Ermittlungen auf der Stelle steht und nicht vorankommt. Der Fall steht größtenteils still. Kurz vorm Ende des Buches verflechten sich die beiden Handlungen und Welten miteinander. Aber das große Finale kommt viel zu spät und wird viel zu schnell abgewickelt. Man hat für eine Millisekunde Spannung und dann flacht der Bogen auch schon wieder ab. Neben dessen darf die sehr offensichtliche Liebesgeschichte natürlich nicht fehlen. Diese Liebelei wird so dazwischen geworfen, ist allerdings für die Handlung insgesamt irrelevant. Für meinen Geschmack passt sie rein gar nicht zum Gerüst der Geschichte, welches sowieso schon sehr brüchig ist. 
Abgesehen vom Inhalt konnte mich auch der Schreibstil kaum überzeugen. Die Sätze sind sehr kurz, wodurch der Leseflus ins stocken gerät. Manchmal werden auch Geräusche verschriftlicht. Das passiert zwar nicht sehr oft, wenn es dann jedoch vorkommt, stört es enorm. Als kleines Beispiel: "schschrapp"(s.87). Ich bin einfach kein Fan davon. Geräusche müssen umschrieben werden oder sich aus dem Geschehen ergeben. 
Die Charaktere können das Ruder leider auch nicht mehr rumreißen. Wir erfahren zwar viel über ihr Leben, die Gefühle bleiben jedoch komplett auf der Strecke. Sie könnten emotionsloser nicht sein. Sympathien habe ich nicht aufbauen können.
Die Geschichte hatte definitiv Potenzial. Ich lese gerne Thriller und auch Geistergeschichten mag ich sehr gerne. Die Tatsache, dass die blinde Protagonistin Maria von einem Stalker heimgesucht wird, klang so viel versprechend. Denn wenn du deinen Stalker nicht sehen kannst, wie kannst du ihm dann entfliehen? Wie kannst du dich schützen?
Die Umsetzung ist leider nicht gelungen bzw. konnte mich nicht überzeugen. Die Geisterwelt sollte die Geschichte abrunden und besonders machen, doch die Verbindung beider Elemente geschah einfach zu spät. Es war dadurch insgesamt irgendwie eher langweilig und eintönig. Die Spannung wirkt erzwungen und die Taten der Geister in der Menschenwelt sollen nur davon ablenken, dass die Handlung eigentlich nicht weiterkommt. Das Buch hat sich sehr gezogen und das, obwohl es gar nicht so viele Seiten hat. 
Wer allerdings gerne in Erinnerung an London schwelgen möchte, ist mit "Die Seelen von London" gut bedient. Aber die Kriminalgeschichte ist unspektakulär und die Verbindung zur Geisterwelt tritt vorerst in den Hintergrund, was ich sehr schade finde. 

*Vielen lieben Dank an den Droemer Knaur Verlag 
für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars*


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