15. September 2017

[Rezension] Michael Hübner - Stigma

Stigma
© Goldmann
Über das Buch
Autor: Michael Hübner 
Originaltitel: Stigma
Seiten: 448
Verlag: Goldmann 
Erschienen: 31. Mai 2011
Preis: 4,99€ (eBook)
ISBN: 978-3-641-05785-5
Zum Buch

    Inhalt    
"13 Jahre sind vergangen, seit Tom Kessler einem Kindermörder über Stunden hilflos ausgeliefert war, bevor er gerettet wurde. Noch immer leidet Tom unter Panikattacken, kann sich aber an nichts erinnern. Dann wird ein kleines Mädchen ermordet. Neben der Leiche findet man einen Zettel, der nur von dem damaligen Täter stammen kann. Er droht damit, Toms Trauma zu wiederholen. Auf Anraten seiner Ärztin beginnt Tom eine Hypnosetherapie, die ihn in die Vergangenheit versetzt. Doch die Erinnerungen an jenen Tag sind so grausam, dass die Rückführung außer Kontrolle gerät."


Wie viel Schlimmes kann ein einziger Mensch erleben, bis er daran zerbricht? Tom hat ein traumatisierendes Erlebnis in seiner Kindheit gehabt, dass er erfolgreich verdrängt hat. Doch nach 13 Jahren scheint sich alles erneut zu wiederholen. Er muss sich erinnern, was damals geschah. Seine Erinnerungen sind jedoch schlimmer als erwartet und stürzen Tom noch mehr in seine Isolation, in der er sich seit dem Erlebten damals, versteckt. 
Was den Leser erwartet ist eine Reise in die Vergangenheit, kombiniert mit den Geschehnissen in der Gegenwart. Tom begibt sich auf eine Zeitreise, um die verdrängten Erinnerungen wieder hervorzuholen. Kann es wirklich sein, dass der Täter zurückgekehrt ist?  
Als Leser fiebert man anfangs noch gespannt mit, denn was genau damals passiert ist, wird erst nach und nach aufgedeckt. Auf dem Weg zur Aufklärung verliert sich der Autor jedoch leider in ständigen Wiederholungen und Ausschweifungen. Die Rückblenden werden zu sehr in die Länge gezogen und die inneren Monologe, die Tom mit sich führt, sind irgendwann nur noch anstrengend. Tom hat schlimmes durchgemacht, das möchte niemand abstreiten, aber er ist wehleidig. Ich konnte es irgendwann nicht mehr ernst nehmen, wie schlecht es Tom geht. Ich wollte einen Kämpfer, der sich seiner Vergangenheit stellt, um erneuten Schrecken zu verhindern. Das habe ich leider nicht bekommen. Vielleicht habe ich zu viel vom Protagonisten verlangt.

Man schleppt sich also irgendwie durch die Geschichte, weil man ja doch wissen möchte, wie es ausgeht. Durchhalten lohnt sich in diesem Fall auch tatsächlich, denn das Ende trifft einen dann unerwartet. Ich hatte so meine Vermutungen und dachte, ach das ist doch direkt klar, wie es endet. Aber dem war nicht so. Ich wurde vollends überrascht. Rückblickend, macht das Verhalten von Tom auch Sinn. Die Geschichte ist super durchdacht. Jede einzelne Szene und die Art und Weise der Erzählung passt perfekt zusammen. Bis ich dort allerdings angekommen war, war es ein harter Kampf mit der Langeweile. Das ist so schade, weil erst am Ende klar wird, was man überhaupt gelesen hat. 
Ich kann ein Buch einfach nicht gut bewerten, wenn es mich zu 70% enttäuscht hat und nur das Ende herausragend war. Sich durch über 400 Seiten quälen, sollte nicht der Sinn einer Geschichte und schon gar nicht von einem Thriller sein. Dies war hier leider der Fall, weshalb ich eigentlich keine Leseempfehlung aussprechen kann. Wer jedoch einen Plottwist à la Sebastian Fitzek am Schluss haben möchte, der wird mit "Stigma" definitiv nicht enttäuscht. 

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