9. Oktober 2017

[Rezension] Lizzie Wilcock - Brennender Durst

© Beltz & Gelberg
Über das Buch
Autor/in: Lizzie Wilcock 
Originaltitel: Thrist 
Seiten: 250 
Verlag: Beltz & Gelberg
Erschienen: 10.07.2017
Preis: 13,95€ (Taschenbuch); 12,99€ (eBook)
ISBN: 978-3-407-82300-7 
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*Rezensionsexemplar*

    Inhalt    
"Manchmal musst du verloren gehen, um gefunden zu werden. 

Auf dem Weg zu ihrer sechsten Pflegefamilie überlebt die 14-jährige Karanda einen Autounfall und findet sich mitten in der australischen Wüste wieder. Ein Rucksack, eine Flasche Wasser und ein verblichenes Foto ihrer Mutter sind alles, was ihr bleibt. Karanda wittert ihre Chance. Endlich kann sie ihr Leben selbst bestimmen. Wäre da nicht der acht Jahre alte Solomon, der mit im Auto saß. Karanda kann ihn nicht im Stich lassen. Und so kämpfen die beiden ums Überleben. Sie sind verlorene Seelen, sie wollen ihrer Zukunft entkommen und werden dabei von ihrer gemeinsamen Vergangenheit eingeholt."

Ein Unfall, der das Leben von Karanda und Solomon auf einen Schlag verändern wird, ist die Ausgangssituation, in der wir uns zu Beginn der Geschichte befinden. Karanda will in keine neue Pflegefamilie, die sie doch irgendwann wieder abgeben wird, wenn es zu schwierig wird. Der Autounfall, der kurze Zeit später passiert, scheint daher für Karanda die Lösung des Problems zu sein. Sie beschließt, nicht auf zu Hilfe zu warten, sondern begibt sich in die Wüste. Sie hat die Rechnung jedoch ohne Solomon gemacht, welcher ihr heimlich folgt. Dabei will sie doch bloß alleine glücklich werden. Doch kann sie Solomon auf sich allein gestellt in der Wüste zurücklassen? Letztendlich bleibt ihr nichts anderes übrig. Und so beginnt die Reise von Karanda und Solomon im Nichts.
Das Szenario hat mich im ersten Augenblick an "Nichts als Überleben" von S.A. Bodeen erinnert. Nur, dass wir uns diesmal nicht auf dem offenen Meer, sondern in der australischen Wüste befinden. Karanda und Solomon müssen mit den wenigen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen, gemeinsam Überleben. Das finde ich grundsätzlich sehr interessant und eigentlich auch lehrreich. Leider sind die Ereignisse künstlich herbeigeführt. Ich stelle mir das Überleben im Outback als ziemlich schwierig vor. Aber es scheint, als würde den beiden alles in den Schoß fallen. Sie haben Durst? Kein Problem, die Wüste bietet ihnen ständig Möglichkeiten zu trinken - von brennendem Durst, wie der Titel besagt, kann nicht die Rede sein. Generell wirkt ihre Reise total ungefährlich. Die Protagonisten kämpfen nicht wirklich. Zumindest wird das von der Autorin leider kaum glaubwürdig übermittelt. Die Darstellung der gesamten Handlung war leider nicht realistisch. 
Dazu kommen dann auch noch Protagonisten, die ziemlich oberflächlich sind, aber tiefgründig wirken wollen. Meine größten Schwierigkeiten hatte ich wohl mit Karanda. Sie ist ein so unsympathischer Mensch und sieht grundsätzlich nicht ein, dass sie auch ihren Teil dazu beitragen muss, dass es in ihrer Pflegefamilie funktioniert. So fand ich ihre Geschichte absolut nicht ergreifend. Sie hat eine schwierige und traurige Vergangenheit, das möchte ich nicht abstreiten. Ich finde jedoch, dass man ihr Leid nicht nachvollziehen kann, weil sie so unfassbar frech ist. Ihr Benehmen gegenüber Solomon ist abartig. Ich bezweifle auch, dass man sich wirklich so benimmt, wenn es ums Überleben geht. 
Beide Charaktere sollen sich im Laufe der Geschichte wohl auch entwickeln, was jedoch leider nicht wirklich geschieht. Am Ende habe ich keine Einsicht auf Karandas Seite gesehen. Solomon ist und bleibt ihr stiller Begleiter. Er gibt manchmal etwas von sich, trägt seine eigenen Lasten, ist im Endeffekt allerdings kein wirklich bedeutender Charakter. Ich hätte mir da vielleicht auch den Blickwinkel von ihm gewünscht, anstatt die Geschichte nur aus Karandas Sicht zu erfahren. 
Positiv anmerken möchte ich aber den Schreibstil, der sehr flüssig ist. Das Buch lässt sich daher sehr schnell lesen. Betrachtet man den Roman als reine Unterhaltungsliteratur, dann ist die Geschichte lesenswert. Mir persönlich fehlte jedoch am meisten die Glaubwürdigkeit. 
"Brennender Durst" konnte mit seinen Charakteren leider nicht überzeugen. Karanda war zu unfreundlich, sowie frech. Solomon dagegen viel zu unscheinbar und zu weit im Hintergrund. Beide wurden sehr oberflächlich ausgearbeitet, sodass auch die Vergangenheit von beiden kaum Emotionen ausgelöst haben. Tiefgründigkeit findet man daher trotz der Thematik in keinem Aspekt. Der Leser sollte die Geschehnisse und Charaktere also nicht weiter hinterfragen, sondern das Buch einfach als Unterhaltung für zwischendurch sehen. 


Vielen lieben Dank an den 
Beltz & Gelberg Verlag und Blogg dein Buch!

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